Koloriert oder schwarzweiß? Zur Farbe beim Fotografieren

Wer sich noch an die Zeiten der analogen Fotografie erinnern kann, der weiß noch um die gar nicht so leichte Entscheidung vor dem Schnappschuss: Soll ich einen Schwarzweiß – Film nehmen oder einen bunten? Das spontane Knipsen mit der Kamera war im engeren Sinne gar nicht möglich, während heute eine Drehung am Rad der Cam beziehungsweise ein Tippen auf dem Smartphone reicht und schon sind ganz unterschiedliche Farben und Belichtungen möglich.

Trotzdem, auch die Digitalkamera löst natürlich die Frage nicht von selbst, zu welchem Motiv nun Farbe oder eben schwarzweiß am besten passt! Auch lassen sich die Pictures heute einfach im Nachgang verändern und es ist vielen Leuten einfach egal, schließlich ist das Editieren von Bildern am PC eine der Lieblingsbeschäftigungen der Menschen.

Was passt besser zum Bildinhalt?

Am Anfang steht deshalb, was sich besser eignet für das abzubildende Motiv. Kalte Nächte, Nebel und Wind, knorrige Bäume und Sprühregen, das lässt sich alles schwarzweiß weit besser darstellen als in Farbe und auch wenn es nicht ganz einfach ist, diese Entscheidungen zu treffen, braucht jeder Fotograf etwas Übung. Unzählige Motive sind schließlich sowohl für Farbe wie auch ohne Kolorierung sehr gut darzustellen!

Achten sollte man auf den Eindruck des Bildes: Belichtungen, die lange Zeit brauchen und die wenig Kontrast haben, sehen ohne Farbe mitunter genauso gut aus wie Bilder mit viel Kontrast. Eine gute Formel ist immer noch auf die natürlichen Bedingungen zu achten, denn wo ohnehin kaum Farbe zu sehen ist, sollte man auch keine mittels Bildbearbeitung hinzufügen! Umgekehrt sollten Motive, die gerade wegen ihrer Farbigkeit überzeugen wie der Japanische Kirschbaum eben bunt fotografiert werden, dadurch werden Eindruck und Augenblick perfekt transformiert.

Das Problem Fotografischer Ausdruck

Ein Foto macht Eindruck, na klar, und dieses umgekehrt als Ausdruck zu betrachtende Faktum entscheidet ebenso über die Farbwahl. Möchte man den Betrachter beeindrucken? Seit einiger Zeit gibt es beispielsweise Untersuchungen, dass schwarzweiße Filme und Fotos einen ganz anderen Einfluss auf die Betrachter haben als kolorierte Aufnahmen, das kann idealisierend, verklärend wirken und ist deshalb in der Geschichtswissenschaft manchmal eine echte Schwierigkeit.

Der Verzicht auf Farbe bedeutet eine gewisse Führung und Lenkung des Betrachters. Bunte Bilder verleiten dazu den Blick überall schweifen zu lassen, Details werden eventuell besonders deutlich und das schwarzweiße Bild ist demgegenüber leichter zu führen und es ist sinnvoll, gerade bei der Nachbearbeitung die Bilder eine Weile nicht anzuschauen und dann immer mal wieder, bis der passende Ausdruck zum Inhalt der Fotografie erfasst ist.